Wer als Deutscher in Spanien arbeiten möchte – ob angestellt oder selbstständig – sollte das spanische Arbeitsrecht kennen. Es unterscheidet sich in vielen Punkten vom deutschen System: von den Verträgen über Urlaubsanspruch bis hin zum Kündigungsschutz.
In diesem Leitfaden erfahren Sie die wichtigsten arbeitsrechtlichen Grundlagen, wie Sie sich rechtlich absichern und wann anwaltliche Hilfe sinnvoll ist.
🧑💼 Arbeitsverträge in Spanien
In Spanien sind folgende Vertragsarten üblich:
| Vertragstyp | Beschreibung |
|---|---|
| Unbefristeter Vertrag (Contrato indefinido) | Standardform mit Kündigungsschutz |
| Befristeter Vertrag (Contrato temporal) | Max. 6–12 Monate, Verlängerung möglich |
| Praktikumsvertrag (Contrato de prácticas) | Für Hochschulabsolventen & Studierende |
| Werkvertrag / Dienstvertrag (Freiberuflich) | Für Selbstständige ohne Arbeitsverhältnis |
Schriftliche Verträge sind Pflicht – enthalten müssen sie Angaben zu Gehalt, Arbeitszeit, Urlaub und Kündigungsmodalitäten.
⏱️ Arbeitszeit & Urlaub
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Reguläre Arbeitszeit: Max. 40 Stunden/Woche
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Überstunden: Bezahlt oder durch Freizeit ausgleichbar (max. 80 Std./Jahr)
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Urlaub: Mind. 30 Kalendertage pro Jahr (≙ 22 Werktage)
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Feiertage: Regionale Unterschiede – i. d. R. 12–14 Tage/Jahr
Arbeitnehmer sollten Arbeitszeiten dokumentieren – das ist gesetzlich vorgeschrieben.
💶 Gehalt & Sozialversicherung
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Mindestlohn (SMI): Wird jährlich festgelegt (aktuell über 1.100 €/Monat brutto)
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Lohnzahlung: 12 oder 14 Zahlungen/Jahr (inkl. Sonderzahlungen im Sommer & Dezember)
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Sozialabgaben: Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen gemeinsam in die spanische Sozialversicherung (Seguridad Social)
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Krankenversicherung: gesetzlich, über das Sozialsystem abgedeckt
❌ Kündigung & Abfindung
Das spanische Arbeitsrecht sieht strenge Regeln bei Kündigungen vor:
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Kündigungsgrund erforderlich (z. B. betriebsbedingt, verhaltensbedingt)
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Abfindungspflichtig, sofern keine fristlose Kündigung
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Anhörung & schriftliche Mitteilung nötig
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Frist: min. 15 Kalendertage bei ordentlicher Kündigung
Unrechtmäßige Kündigungen können gerichtlich angefochten werden – oft mit Erfolg.
🧑⚖️ Wann ein Anwalt helfen sollte
Ein spezialisierter Arbeitsrechtsanwalt unterstützt Sie bei:
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Vertragsprüfung vor Arbeitsbeginn
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Problemen mit Gehaltszahlungen
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Diskriminierung, Mobbing oder unbegründeter Kündigung
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Verhandlungen über Abfindungen
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Selbstständigkeit & Scheinselbstständigkeit (Autónomo vs. Angestellter)
Gerade bei sprachlichen und kulturellen Unterschieden ist eine rechtliche Absicherung entscheidend.
❓ FAQ: Arbeitsrecht Spanien für Deutsche
Kann ich ohne NIE in Spanien arbeiten?
Nein. Die NIE-Nummer ist Voraussetzung für jede Beschäftigung.
Darf ich meinen deutschen Arbeitsvertrag in Spanien ausüben?
Nur bei Remote-Arbeit mit deutschem Arbeitgeber – prüfen Sie aber Steuerpflichten und Aufenthaltsrecht.
Was passiert bei Krankheit?
Lohnfortzahlung erfolgt über die Sozialversicherung. Eine ärztliche Krankschreibung ist zwingend erforderlich.
Kann ich mich gegen Kündigung wehren?
Ja – spanische Arbeitsgerichte bieten wirksamen Kündigungsschutz. Fristen sind jedoch kurz (i. d. R. 20 Tage).
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